Michael Messer

„Das schönste Wappen auf der Welt, das ist                   ein Pflug im Ackerfeld.“



                       „Das schönste Wappen auf der Welt, das ist ein Pflug im Ackerfeld.“

                                                                                                                                             

                                                                                                                                                                                             Auszug aus dem Buch – Die Alpen Philosophie-

 

                                                                                                                                                                                            Von Rahim Taghizadegan & Eugen Maria Schulak

 

„Es ist wie wenn uns das Bild sagen wollte: wir Bauern, reden zwar nicht viel, doch wir sind stolz auf unsere Arbeit. Und wir haben das schönste Wappen. Zwar kann es nicht von großen Heldentaten berichten, die jemand draußen in der Welt vollbracht hat, doch dafür reicht es bis an den Ursprung, bis dorthin, wo vor Jahrtausenden das sesshafte Leben begann. Denn das war immer schon die Bedingung einer jeden Heldentat: eine dampfende Schüssel, täglich auf den Tisch, damit der Held bei Kräften bleibt und sein Tagwerk beginnen kann. Und so kommt es, dass unser Wappen auch das älteste ist. Es stellt die älteste Berufung dar.

 

Es fordert seine Träger und all die, die es werden wollen, auf, sich aufzuraffen, in die Hände zu spucken, den Boden urbar zu machen und ihm unter Aufbietung aller Kräfte all jene Früchte zu entlocken, die fürs tägliche Leben wichtig sind.

 

Wir, die Bauern, waren die ersten Gärtner - und wir haben euch, die ihr Geistliche, Krieger, oder Gelehrte wart, mit Nahrung versorg, wie das auch Mütter für ihre Kinder tun, von Urzeiten an. Wenn euch der Preis zu hoch war und ihr meintet, dass euch die Plünderung billiger kommt, dann seid ihr mit euren Pferden und Waffen gekommen und habt euch bei uns bedient. Wir haben euch ohnehin immer den Zehenten geben müssen, haben auch die Straßen und Brücken repariert, damit ihr besser in den Krieg und zur jagt reiten konntet und damit wir euch die Steine für eure Häuser liefern durften.

 

Die großspurigen Wappen habt ihr euch dann selbst umgehängt, ihr feinen Herren - und uns dabei vergessen. Doch wir brauchen eure Ehrung nicht. Wir wissen, wer wir sind, was wir leisten und dass ihr es seid, die von uns abhängig sind, nicht umgekehrt 

                                                                                                                                                                                 


                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                    Michael Messer

 

Der Mensch war von jeher bestrebt, Macht über andere Menschen auszuüben, und diese Macht mit allen Mittel auszuüben und durchzusetzen. So kam es, dass die Bauern, obwohl sie für die Versorgung der gesamten Bevölkerung mit Nahrungsmittel zuständig waren, und diese gesellschaftlich so wichtige Aufgabe erfüllten, eine geringe Wertschätzung genossen. Sie waren sowohl wirtschaftlich, als auch rechtlich von ihrem Grundherren abhängig. Mit anderen Worten, sie besaßen fast gar nichts und waren dem Grundherren auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.  Es war eine erniedrigende Lebenssituation, selbst wenn der Leibeigene starb, mussten die Hinterbliebenen das spärliche Erbe mit dem Grundherren teilen.

 

Die Unzufriedenheit der Bauern im Spätmittelalter und Neuzeit, spiegelt sich in den vielen, Aufständen und Bauernkriegen über die Jahrhunderte wider. Im Kampf  dieser Ungerechtigkeit opferten hunderttausend Bauern ihr Leben.

Obwohl die erste demokratische Idee und Hoffnung auf Gleichheit der Menschen schon 1520 von Thomas Münzer, dem ersten Freiheitshelden vertreten wurde, sollte es noch Jahrhunderte dauern bis der Traum von Freiheit und Gleichheit in Erfüllung ging.    Doch dass man sein Schicksal selbst in die Hand nehmen muss, hat sich in den Menschen festgesetzt.

 

Unsere Ahnen haben ihr Schicksal, im wahrsten Sinne des Wortes, in die Hand genommen und sich von der Leibeigenschaft schon 1723 freigekauft und befreit. So sind sie als freie Menschen angetreten um, das ihnen zur Verfügung gestellte neue Land, urbar zu machen, "und ihm unter Aufbietung aller Kräfte all jene Früchte zu entlocken, die fürs tägliche Leben wichtig sind".

 

Die Leibeigenschaft wurde im Jahre 1808 endgültig abgeschafft. 

                                                                                                                                                                        

 


                                                          Die Waffe unserer Ahnen mit der sie das Land eroberten.

 

Der Kampf gegen und mit der Natur auf dem versumpften Boden war gewaltig, den es galt, in kürzester Zeit zu gewinnen, um seine Familie ernähren zu können.

Der Holzpflug: Wie in unserem Heimatbuch von Anton Karl und Dr. Peter Petri beschrieben, ist dieser Pflug aus dem Heimatmuseum in Weikersheim. Viele unserer Ahnen kamen aus dieser Gegend und fanden ihr Zuhause im späteren Dorf Sanktmartin.

Herrn Anton Karl ist es zu verdanken, dass er schon 1970 Material und Daten gesammelt und unsere Geschichte in dieser Vollständigkeit im ersten Band unseres Heimatbuches mit Dr. Peter Petri niedergeschrieben hat. Diesem Nachschlagewerk ist nur wenig hinzuzufügen oder zu ändern, es sei denn, man möchte die Geschichte im eigenen Interesse neu erfinden.




  1. Saatmaschine mit Saatkasten, Saatleitung und Austreuvorrichtung, mit Hilfe derer, Tiefe und Abstand des Saatgutes geregelt werden konnte.   
  2. Heugabel und Dreschflegel.   
  3. Hand Dreschmaschine.
  4. Sanktmartiner beim dreschen auf dem Kornfeld. 
  5. Das Korn wurde auf dem Dachboden gebracht, wo es auf dem Fruchttuch, ein schweres grob gewebtes Leinentuch etwa 6 X 4 Meter, zum trocknen aufgeschichtet wurde. In den Weizen wurde dann Obst, Birnen, Äpfel, zum nachreifen gesteckt.  
  6. Die Samatimer beim Dreschen 

Die Garben wurden durch die dreikantigen Zähnen gezogen, so dass die Ähren in die Holzkiste fielen.

Stroh und Heuschneidemaschine.



                                                       Vater bringt die Maisernte nach Hause

 

Der Herbst war schon als Kind für mich die schönste Jahreszeit. Auch Frühling und Sommer haben eine verlockende Schönheit, doch da herrschte meist Unruhe und Hektik im Dorf. Die Menschen waren immer in Eile, auf dem Fahrrad, zur Arbeit aufs Feld, oder auf dem Nachhauseweg zum Füttern der Tiere. Mann grüßte sich nur kurz im Vorbeifahren und klagte über die große Hitze, zu wenig oder zu viel Regen, und die wahrscheinlich schlechteste Ernte seit Jahren. Jedoch das Krächzen der schwer beladenen Pferdewagen im Herbst, die durch die Gassen heimwärts fuhren, und die zufriedenen Gesichter der Dorfbewohner, lies erahnen, wie ertragreich wieder mal die Ernte war. Und plötzlich hatten die Menschen wieder mehr Zeit für einander.





  • Maisentkörnungsmaschine für größere Mengen Mais. 
  • Die am Kolben übrig gebliebenen Maiskörner, wurden mit diesem Handgerät vom Kolben getrennt. 

Diese Handweizenmühle wurde noch ende des letzten Jahrhunderts verwendet.

Selbstgebauter Maisschroter mit Elektromotor.  


  • Der Weidenkorb (Kuarb) wurde in der Korbflechterei in Sanktmartin hergestellt.

Einer der nur noch wenigen Maisspeicher die im Dorf stehen.

(Kukuruzkuarab)

 

Viele Konstruktionsbalken dieser Maisspeicher haben  Zapfenlöcher an Stellen die mit ihrer jetzigen Konstruktion nichts zu tun haben. Nicht zu übersehen sind die Löcher auch an einem Balken, auf diesem Foto. Das bedeutet, dass sie schon einmal verbaut waren. Zu vermuten ist das sie teil von Dachkonstruktionen der ersten Siedlerhäuser waren. Da Holz Mangelware war, wurden die Balken, nachdem sie beim Bau von größeren Häuser nicht mehr passend waren, anderweitig verwendet. Diese Vermutung muss noch gründlicher untersucht werden.

 




 Mais war für die Viehaufzucht  und Ernährung der Tiere unentbehrlich und musste von einer Ernte zur nächsten ausreichen.  Entsprechend  groß war die Sorge der Menschen von einer  Missernte. Verwertet wurde aber nicht nur das Maiskorn selbst, sondern die gesamte Pflanze. Kolben und  Stängel wurden verheizt und lieferten Wärme. Der Ideenreichtum und die Kreativität der Menschen war noch viel größer. So wurden die Lieschen als Unterbett im Strohsack verwendet, es wurden Puppen als Spielzeug für Kinder hergestellt, Tragetaschen (Zecker), Körbchen (Simberli),Teppiche und Hausschuhe geflochten. Die Lieschen fanden im bäuerlichen Haushalt einen vielfältigen Einsatz.

 

Heute zählt der Mais zu den bedeutendsten Feldfrüchten der Erde, denn keine Kulturpflanze ist so vielseitig verwendbar wie Mais.

 







  • Die Schubkarre (Lastenkarre) war unentberlich auf dem Bauernhof.
  • Getreidewage.
  • Heckselmaschine zum zerkleinern von Futterrüben.
  • Handmühle.



  • 1.Sammelrechen für Gras, Heu, oder Getreidehalme. Der Rechen wurde von Pferden gezogen.
  • 2.Lanztraktor um 1936 in Sanktmartin.
  • Die Dreschmaschine (unten) wurde mit Transmissionsriemen vom Motor des Traktors angetrieben. 

                                                                                                                                                                                                    Bildaufnahme Josef Messer


Beim Dengeln der Sense wurde das Metall verdichtet und anschließend mit dem Wetzstein geschliffen.

Heuröpfel.

Beim Mähen mit der Sense.



 Mistfuhr im Winter auf dem Schlitten.


Die erfolgreiche Einbringung der Ernte und das richtige Lagern, war der Höhepunkt und wichtigster Zeitraum des bäuerlichen Jahres. Die Ernte war die Lebensversicherung der Menschen für das ganze Jahr.

 

Diesem Geschehensablauf und alljährlichen Kraftakt, der so wichtig und lebensnotwendig für unserer Ahnen, Großeltern und Eltern war, ist dieser Beitrag gewidmet.

 

                                                                                                                                                                                       Michael Messer