Die Bedeutung der Frau in der Familie


Zeichnung: Frau bei der Arbeit auf dem Feld.         


Wer sich mit der Geschichte unserer Ahnen beschäftigt, dem stellt sich unausweichlich auch die Frage, wie haben unsere Ahnen, Großeltern und Urgroßeltern zueinander gefunden, um Familien zu gründen? 

War es Zuneigung und Liebe, oder war es Vernunft, bei der die Lebensgemeinschaft das Überleben sichern sollte?

Wie auch immer, eines steht mit Sicherheit fest, sie mussten sich aufeinander verlassen können, um die Erschwernisse und Herausforderungen, die sich ihnen stellten, zu bewältigen.

Die ersten Eheschließungen in Sanktmartin sind 1750 in den Kirchenmatrikeln der Pfarrgemeinde verzeichnet.

Folgendes Beispiel zeigt, wie unentbehrlich die Frau und Ihre Schaffenskraft, mit der sie Ihren Beitrag gemeistert hat, in der Familie war.

Blieb ein Mann nach dem Verlust seiner Ehefrau nach deren Tod allein, so wurde er bedauert, nie aber andersrum.

Dass, das so war, und heute noch so ist, wurde mir in Gesprächen mit vielen Banater Landsleuten bestätigt.

Dies ist wohl das aussagekräftigste Beispiel, um die Wichtigkeit der Frauen in den Familien unserer Ahnen, bis in unserer Zeit zu verdeutlichen.

Ihr vielfältiges Wissen und Können, ihr unermüdlicher Einsatz für die Familie, machte Sie unentbehrlich.

Ihr Betätigungsfeld reichte von der Erziehung der Kinder, Zubereitung der Nahrung, Herstellung der Kleidung, Bewirtschaftung der Felder, Betreuung der Tiere bis zum Haltbarmachen der Lebensmittel und deren Aufbewahrung.

Sie wusch die Kleider, sorgte im Haushalt für Reinlichkeit und Hygiene und somit auch für die Vorbeugung von Krankheiten und die Gesunderhaltung aller Familienmitglieder

 

Allein die Zubereitung der täglichen Nahrung für eine sieben – acht oder gar neunköpfige Familie war eine beachtliche Aufgabe. Früher war das Kochen sehr zeitaufwendig, es gab keine Fertigprodukte.

 

Die Zutaten wurden je nach Jahreszeit, aus dem eigenen Garten und Hof oder aus dem Keller und der Speis geholt. Der Teig für das tägliche Brot musste geknetet werden, es wurde gerührt und gestampft.

Prodmulder
Prodmulder

Gekocht wurde meist nach alten Familienrezepten, die von Generation zu Generation mündlich weitergegeben wurden. Heute gibt es eine Fülle von Kochbüchern und exotische Rezepte in fast jeder Zeitschrift.


Kürbis oder Paradaiskraut, grüne Bohnen oder Erbsen Zuspeise,..... Kohlrabi oder doch lieber ausgebackener Karfiol?

Frisch aus dem eigenen Garten war jedes Gericht ein Genuss.

Im Sommer war das Huhn auf dem Hof der Lieferant für Eier und Fleisch, im Herbst die Gans, und im Winter das Schwein.

Dass die Hühnersuppe mit ihren gesunden Inhaltsstoffen eine wahre Medizin ist, wussten unsere Urgroßeltern und Großeltern auch schon.

 

In Sanktmartin war es Brauch, Müttern, die nach der Geburt im Wochenbett zur Erholung lagen, Hühnersuppe zu bringen.  Angehörige kamen vorbei und brachten ausgebackenes Hühnerfleisch und von der heilsamen Suppe. In den Genuss des guten Essens, kamen dann aber auch die Geschwister und der Vater des Neuankömmlings.

 

Gänsefamilie und Kinder aus Neusankmartin

Mutterschwein mit ihren Ferkeln

Kühe auf der Weide. Im Hintergrund der Sportplatz mit den Umkleidekabinen. (Inainte Sanmartin)


Einlegen und Einkochen ist nicht nur eine herbstliche Angelegenheit. Schon Mitte des Jahres wurden Vorräte für den kommenden Winter und Frühling, zubereitet und gesammelt.

In den Sommermonaten, wenn Kirschen, Weichsel, Aprikosen, Pfirsiche und Mirabellen (Hundscheln) reif waren, wurde das Obst eingelegt, zu Konfitüre (Brei) verarbeitet, und haltbar gemacht.

Pflaumen, Äpfel und Birnen, aber auch die aromatischen Quitten, standen im Oktober zum Verarbeiten bereit.

Damit die wertvollen Gemüsewurzeln auch in den Wintermonaten zur Verfügung standen, wurden sie in Sand gebettet, kühl und dunkel, im Keller gelagert.(einkschlong) 

Gurken, Paprika, grüne Bohnen und Tomaten, aber auch Melonen wurden in den Einmachgläsern eingesäuert, - das Kraut im Fass eingeschnitten und Hühnereier in Kalkwasser eingelegt.

Obwohl jede Frau genau wusste, wie groß der Vorrat für Ihre Familie sein musste, wurden zur Sicherheit immer etwas mehr Lebensmittel angehäuft.

  

Um das Gemüse haltbar zu machen, wurde es in Sand eingeschlagen.                Bratwürste auf der Stange. Fotoaufnahme: Martin Kilian

Bratwürste konnten geräuchert bis im Juni aufbewahrt werden, da sie aber dann schon sehr  trocken waren, wurden sie gekocht, und mit weißen Bohnen gegessen. Pona mit Protwiescht


Erwähnen möchte ich ein altes Rezept, das schon fast in Vergessenheit geraten ist, ein sogenanntes „arme Leute-Essen“.

„Die Einbrennsuppe“. Sie ist eine einfache Suppe, bei der Mehl in der Pfanne braun geröstet und dann mit Wasser oder Milch aufgekocht und gesalzen wird.

Verfeinert kann die Brennsuppe je nach Rezept mit Zwiebeln, Speck, Kräutern oder Gewürzen werden. Gegessen wurde die Suppe meist schon zum Frühstück, bevor die Bauern aufs Feld gingen.

Die Redensart „nicht auf der Brennsuppe daher geschwommen“ oder anders gesagt ich bin ja nicht dumm, dürfte noch vielen bekannt sein.

 

Manche Gerichte wurden traditionell an bestimmten Wochentagen gekocht, so gab es zum Beispiel am Freitag, der als fleischfreier Tag galt, meist weiße Bohnen mit Nudeln.

Bohnen können auf vielfältige Weise in der Küche zubereitet werden, mit Bratwurst, mit Schweinefleisch oder Speck. 

Die einfache Variante, Bohnen mit Zwiebeln, wurde an Karfreitag kalt serviert.

Die Einbrennsuppe ... ist eine Verkostung wert
Die Einbrennsuppe ... ist eine Verkostung wert
Hühnersuppe mit handgemachten Schnekali
Hühnersuppe mit handgemachten Schnekali


Ob Nudeln, Fleckli, Strumpfpendel oder Schnekali, die Mehlspeis wurde von Hand gemacht.


Gekocht wurde noch bis Anfang des 20-Jahrhunderts in der Rauchkuchl mit dem offenen Rauchfang (uffana Rachfong), wo die Frauen dem ungesunden Rauch ausgesetzt waren.

Im Gegensatz zu der unten abgebildeten Küche aus Österreich, (bei Ellmau), hatte die Rauchkuchl bei uns, einen trichterförmigen und offenen Rauchfang als Abzug, wie über der Feuerstelle (Esse) einer Schmiede. 

       

In dieser Küche wurde noch bis in die 70er Jahre gekocht.  Zur Erfindung des Sparherds, siehe auch Feuerstelle Küche Speis.      

Rauchkuchl
Rauchkuchl

Das älteste Küchengerät, der Mörser, (Mieschl) durfte nicht im Haushalt fehlen. Körner, Kräuter und Gewürze wurden darin noch von Hand zerrieben.

Fleischerbeil, Fleischwolf und Wurstspritze, (Fleischhocken, Fleischmaschie und Wurstspritzn), sowie Pfanne mit Schöpflöffel, die beim Schlachten zum Einsatz kamen.

Das Passiergerät ist alt bewährt und noch heute in vielen Küchen zu finden, wie auch das Waffeleisen und dieTeigspritze. 

Der Rahm wurde von der Milch abgeschöpft, in das Butterfass oder in den handbetriebenen Butter- oder Sahneschläger gegeben und ununterbrochen gestampft oder geschlagen, bis daraus Butter wurde.

 


Mit der Einführung des Spahrherdes, haben sich nicht nur die Koch-, sondern auch die Backgewohnheiten, nach und nach, verändert.

Hatte man bis dahin, hauptsächlich Hefegebäck gebacken, wurden danach die Backwaren (Siesli) immer feiner.  

Backrezepte für feine Backwaren, Kuchen, Weihnachtsgebäck und Torten, wurden ab den 50er Jahren, unter den Frauen im Dorf getauscht, in Backheften aufgeschrieben und gesammelt. 

Feines Gebäck wurde an Feiertagen, Hochzeiten und an den Namenstagen gebacken. In der alten Heimat, war der Brauch, den  Gedenktag des eigenen Namenspatron zu feiern, höher als der  Geburtstag.                                        

Backheft
Backheft

Gebacken und gesüßt, wurde während des Krieges und der Nachkriegszeit, mit selbstgemachtem, eingedicktem, Zuckerrübensaft. In dieser schweren Zeit, fehlte die menschliche Arbeitskraft um die Felder zu bearbeiten, was zur Folge hatte, dass die Nahrungsmittel knapp wurden.

Erst zogen die Männer in den Krieg, dann wurden die Frauen und die noch arbeitsfähigen Männer in die Arbeitslager Russlands verschleppt.

Dieser Zeitabschnitt, war einer der verlust- und  entbehrungsreichsten unserer Sanktmartiner Geschichte.   

 Siehe Russlandverschleppung 1945


Weihnachtsgebäck
Weihnachtsgebäck
Siesli
Siesli


Nuss- Mohn- und Zuckermühle. Wo früher von Hand gekurbelt wurde, kommt heute meist der elektrische Mixer zum Einsatz.

Waage mit Gewicht und Lotgewicht, zum Abwiegen von Koch- und Backzutaten. Das Lotgewicht  wog etwa 17,5 Gramm  und wurde um 1875 vom Gramm abgelöst.   

Eine Mohnmühle mit Walzen, zum Mahlen von größeren Mengen  Mohn, wie sie im Dorf Ossmann Georg (Ossmonns Diuriveder) besaß.        

Die Mühle im Haus neben seiner Werkstatt, konnte jeder gegen eine Gebühr von  einem Schälchen Mohn,  nutzen.                      

 


Die Hanfpflanze spielte auch bei uns im Dorf eine wichtige Rolle und wurde auf den Äckern Sanktmartins, (Honaftäcker) lange Zeit kultiviert.

Hanffasern waren das Material aus dem in früherer Zeit Säcke, Seile, Fruchttücher, Bett- und Unterwäsche sowie Kleider hergestellt wurden.

 

Nachdem die Hanfstängel geschnitten und gebündelt waren, wurden diese außerhalb des Dorfes zu den Wasserlöchern gebracht, wo sie ins Wasser zum Rösten gelegt wurden. Bei diesem Vorgang setzte der Zersetzungsprozess des holzigen Anteils des Stängels schneller ein, und die langen Fasern ließen sich leichter vom Stängel lösen.

Die trockenen Rohfasern wurden dann, von den Frauen, mit dem Hanfbrechel gebrochen, und um die Fäden vollständig vom holzigen Anteil zu trennen, anschließend durch den Kamm gezogen.

In den Wintermonaten wurde dann aus den reinen Fäden, Garn gesponnen und in Rundknäuel aufgewickelt. Je nach Qualität des Garns stellte der Weber aus diesem Material, grobe oder feine, Leinwand her.

Gewebt wurde in Sanktmartin schon 1756, allerdings als Nebenerwerb denn an erster Stelle stand die Bewirtschaftung des Bauernhofes. 


Spinnrad, zum spinnen der Hanffäden zu Garn.                                                                                                                                        Webstuhl, mit Hanfbrechel und Kämmen, im Heimatmuseum Matscha. Das waren auch die Werkzeuge, die bei uns schon im 18-ten  Jahrhundert zum Einsatz kamen. 

Unterwäsche, Wäsche und Bettwäsche aus Leinen.  

 


Zeichnung: Frau bei einer der Winterarbeiten. Gesponnen wurde nicht nur Hanf, sondern auch Wolle.


Die „Singer-Nähmaschine“ war eine riesengroße Erleichterung für die Frauen beim Nähen von Kleidung, Bettwäsche, Handtüchern und vielem mehr.

Einige Sanktmartiner, die am Anfang des 20. Jahrhunderts nach Übersee auf Zeit ausgewandert sind, um Geld zu verdienen, waren damals auch in den Singer – Werken in New Jersey beschäftigt.

 

Nach Ihrer Rückkehr kauften sie Grund und Boden, der nach dem 2. Weltkrieg durch ein Dekret vom 23. März 1945 entschädigungslos enteignet wurde.


Das Tünchen oder Weißeln, war ein Streichvorgang bei dem die Hausfassaden, Innenräume aber auch Stallungen mit in Wasser verdünnten, gelöschten Kalk angestrichen wurden.

 

Die Wände sahen geweißelt nicht nur gepflegt und sauber aus, der Kalk wirkte auch desinfizierend und sorgte für eine bessere Raumluft.

Ornamentschablonen zum Verzieren der Innenwände kamen schon vor dem 1-ten Weltkrieg zum Einsatz, die Musterwalzen dann nach dem 2-ten Weltkrieg.

In den 50er und 60er Jahren wurden die Wände und Decken der Räume in fast jedem Haus im Dorf verschönert.

 

War dies ein Verlangen nach Normalität nach all den Verlusten während der beiden Weltkriege, oder war es der Zeitgeist, der die Menschen im Dorf veranlasste, die Inneneinrichtungen der Häuser neu zu gestalten?

                                                                                                                                                                               Fotoaufnahme: Josef Burger

Fotoaufnahme der Familie Karl um 1908-1909 im offenen Gang. Schön zu sehen ist neben der Tracht aus dieser Zeit, auch die Wandmalerei. Frauen die verheiratet waren trugen ein Kopftuch.

Musterschablonen und Musterwalzen, wie sie bei uns im Dorf zum Einsatz kamen. Dieses künstlerische Handwerk, wurde hauptsächlich von Frauen aus dem Dorf ausgeübt.

Wandbemalung mit Musterwalze. 

                                                                                                                                                                             

 

                                                                                                                                                                                Michael Messer

 

                                                                                                                                                                    Quellenangabe:

                                                                                                                                                                                                                          Zeitzeugen

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Liebe Besucher! 

 

Ziel des "Digitalen Heimatmuseums" und der Beiträge auf meiner Homepage ist, den Besuchern einen emotionalen Zugang zu den Menschen zu verschaffen, die in der Zeitspanne der Einwanderung unserer Ahnen bis zu unserer Auswanderung, in Sanktmartin gelebt haben.

Des Weiteren, soll durch eine Sammlung abgebildeter Objekte aus dem Leben des Alltags, sowie historischer Fakten, eine Orientierung in die Vergangenheit unserer Geschichte vermittelt werden.

Auch wenn hier kein Anspruch auf eine wissenschaftlich belegte Arbeit besteht, so werden doch Daten und Informationen hinterfragt und deren Quelle angegeben.                                                                                                                                                                                                                                                            Michael Messer