Die Turmuhr unserer Heimatkirche von 1834 bis 2010.



Mit der „Zeit“ ist das so eine Sache. Obwohl sie gleichmäßig und kontinuierlich in eine Richtung fliest, haben wir je nach Lebenssituation ein unterschiedliches Zeitgefühl. So scheint sie manchmal stillzustehen, ein andermal vergeht sie wie im Flug – und dann wiederum fühlst du dich von einem Moment zum anderen in die Kindheit zurückversetzt.
So geht es mir jedenfalls als ich mit Josef Burger den Kirchturm besteige.

 

100 Jahre nachdem die Turmuhr, im Jahr 1910 im neuerbauten Gotteshaus wieder in Betrieb genommen wurde, hat Burger sie, 2010 während der Renovierungsarbeiten an der Kirche, stillgelegt. Still steht nur die Uhr nicht aber die Zeit!

Der Grund dafür war nicht etwa ein technischer Defekt oder ein ungenauer Gang, sondern der Aufwand die Uhr am Laufen zu halten. Täglich mussten drei Gewichte hochgezogen werden, ehe das Uhrwerk wieder für 25 Stunden weiterlief. Neben vielen anderen Tätigkeiten an der Kirche, hat Burger 10 Jahre lang täglich die Uhr am Laufen gehalten. Mit viel Sachverstand und Können hat er eine elektronische Uhr eingebaut, die er in Kombination mit einem mechanischen Schlagwerk verbunden hat. Das Schlagen der Ganzen und Viertelstunden, sowie das morgendliche, mittägliche und abendliche Läuten wird davon übernommen.

 

Dieses Uhrwerk funktioniert ununterbrochen und genau, mit einer minimalen Abweichung von 1 bis 2 Sekunden im Jahr, wie mir Burger sagt. Während er mir noch einige technische Details am Schlagwerk erklärt, setzt die Glocke, wie zum Beweis dafür, pünktlich um 20 Uhr zum Abendläuten an. Der Klang der großen Glocke ist so laut, dass wir uns erstmals die Ohren zuhalten müssen.

Erst nachdem der letzte Schlag verklungen ist, wird der Mechanismus der Uhr, zur Demonstration, mit ein paar Handgriffen von Josef in Gang gebracht. So als hätte die Uhr im letzten Jahrzehnt nichts anderes getan als die Zeit gezählt, tickt sie reibungslos Sekunde für Sekunde, ehe er sie wieder für ungewisse Zeit zum Stehen bringt.

Ungewiss ist auch das Los des Kirchturmes, das Wahrzeichen unserer Gemeinde, denn der Zahn der Zeit hat auch hier nicht Halt gemacht, auch wenn die Turmuhr steht. Seit dem Wechsel des HOG-Vorstandes im Jahr 2015, wurde zur Aufrechterhaltung der Kirche kein Euro mehr investiert.

 

Zur Geschichte der Turmuhr:
„Wie in der „Visitatio canonica“ vom 23. bis 24. Mai 1835 steht, wurde die Turmuhr, die die Stunden und Viertelstunden schlägt, im Jahre 1834 auf Kosten des Patronatsherren und der Ortsgemeinschaft angeschafft. Ihre Wartung oblag dem Sanktmartiner Eisenschmied Franz Maier; er bekam dafür eine Belohnung von 30 fl und war von allen Lasten und Abgaben der Gemeinde befreit.“
fl. Steht für die Abkürzung der damaligen Währungseinheit, Florene, von ihm leitete sich der Name Forint ab.
                                                                                                                                                                      Michael Messer 2020



 Kreuzgestänge mit Zahnradantrieb für die Uhrzeiger

        Gestänge mit Zahnräder hinter einem Zifferblatt. 


Magnetspulen mit Eisenkern die durch elektrische Impulse, die Glocken durch Zug am Seil, zum Schwingen bringen.



Aus Trauer um das Leiden und Sterben von Jesus Christus schwiegen die Glocken.

Wie es im Volksmund hieß, sind die Glocken nach Rom geflogen und als Ersatz kam die Turmratsche zum Einsatz.

Während der Eucharistiefeier wurde anstelle der Wandlungsglocken die Handratsche betätigt.

Vielen Dank an Josef und Sylvia Burger, dass sie uns mit dem Klang der Turmratsche die Möglichkeit geben, an der österlichen Atmosphäre der Heimat teilzuhaben.

 

 Das ist gelebte Gemeinschaft!